Thailand startet ein Raumhafenprojekt mit hohem wirtschaftlichem und sozialem Nutzen

Thailand treibt den Einstieg in die Raumfahrtindustrie mit einem eigenen Raumhafenprojekt voran, das laut einer aktuellen Studie sowohl wirtschaftlich tragfähig als auch gesellschaftlich wertschöpfend ist. Die Analyse weist einen positiven Kapitalwert (NPV) und eine soziale Rendite (SROI) von 1,79 aus und stärkt Thailands Position als künftiger Akteur im globalen Raumfahrtsektor.

Der Bericht wurde von der Geo-Informatics and Space Technology Development Agency (GISTDA) in Zusammenarbeit mit der KPMG Phoomchai Business Advisory erstellt. Der Bericht skizziert einen stufenweisen Ausbauplan. Ziel ist zunächst der Aufbau von Infrastruktur, Personal und operativen Kompetenzen. Langfristig soll ein vollwertiges Raumfahrtzentrum entstehen.

Die Studie unterstreicht, dass Investitionen in Raumfahrtinfrastruktur nicht zwangsläufig unerschwinglich sind und Thailand über realistische Voraussetzungen verfügt, um in die sogenannte „New Space Economy“ einzutreten. Erste Schritte sollen in geografisch geeigneten Regionen erfolgen, wobei technische, wirtschaftliche und soziale Faktoren in die Standortbewertung einbezogen wurden.

Standortanalyse

Untersucht wurden drei mögliche Standorte hinsichtlich technischer Machbarkeit, Sicherheit, Flugrouten und Investitionskosten. Als geeignetster Standort gilt die Region Ko Juang–Ko Jan in der Provinz Chonburi. Die Anfangsinvestitionen werden auf rund 376 Millionen Baht geschätzt. Der Standort bietet aufgrund staatlicher Flächenverfügbarkeit und günstiger geografischer Bedingungen optimale Voraussetzungen für Raketenstarts.

Der zweite Standort, der Flughafen U-Tapao in Rayong, verfügt zwar über bestehende Luftfahrtinfrastruktur,  erfordert jedoch zusätzliche Investitionen von etwa 828 Millionen Baht, um Raumfahrtsicherheitsstandards zu erfüllen und den zivilen Flugverkehr nicht zu beeinträchtigen.

Der dritte Standort, Laem Son On in Songkhla, liegt zwar strategisch günstig in Äquatornähe, ist jedoch mit Investitionskosten von über 4 Milliarden Baht aufgrund notwendiger Landkäufe deutlich weniger wirtschaftlich.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Bewertung

Die Analyse unterscheidet zwischen wirtschaftlicher und finanzieller Rendite, um die Auswirkungen öffentlicher Investitionen realistisch abzubilden. Lediglich der Standort Ko Juang–Ko Jan weist einen positiven wirtschaftlichen Kapitalwert auf. Dies deutet darauf hin, dass direkte und indirekte Effekte – etwa Beschäftigung im Hochtechnologiesektor, Wachstum von Zulieferketten sowie Raumfahrttourismus – die Anfangsinvestitionen übersteigen.

Der finanzielle Kapitalwert ist in der Anfangsphase negativ, was die kapitalintensive Natur großskaliger Infrastrukturprojekte widerspiegelt, die auf langfristige Erträge ausgerichtet sind.

Hervorzuheben ist die soziale Rendite: Ein SROI von 1,79 bedeutet, dass jeder investierte Baht einen gesellschaftlichen Mehrwert von 1,79 Baht schafft. Dieser ergibt sich unter anderem aus der Förderung von Humankapital durch Ausbildung im MINT-Bereich, dem Technologietransfer zwischen internationalen Experten und thailändischen Fachkräften sowie einer nachhaltigen regionalen Entwicklung mit neuen Einkommensquellen.

Stufenweise Umsetzung

Empfohlen wird ein schrittweiser Ausbau über zwei bis fünf Jahre, beginnend mit suborbitalen Test- und Startkapazitäten. Diese vergleichsweise risikoarme Technologie ermöglicht es, operative Erfahrungen zu sammeln sowie Luftraummanagement und Sicherheitsstandards zu erproben und Fachpersonal gezielt auszubilden.

Trotz bestehender Herausforderungen – darunter technologische Komplexität, regulatorische Anforderungen und geografische Rahmenbedingungen – kommt die Studie zu dem Schluss, dass das Projekt realisierbar und strategisch sinnvoll ist.

Mit dem Raumhafenprojekt stärkt Thailand seine Position im globalen Raumfahrtsektor und schafft die Grundlage für künftiges wirtschaftliches Wachstum sowie technologische Innovation.


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