Thailand präsentiert 15-Jahres-Strategie für nachhaltige Produktions- und Konsummuster

Thailand hat eine neue 15-Jahres-Strategie für nachhaltige Produktions- und Konsummuster vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen vier zentrale Handlungsfelder: nachhaltige Ernährungssysteme, Kreislaufwirtschaft, ESG-Standards für KMU sowie nachhaltiger Tourismus.

Städte weltweit stehen an vorderster Front des Klimawandels. Gleichzeitig zeigen zahlreiche Beispiele, dass sich Klimarisiken durch gezielte politische Maßnahmen in wirtschaftliche Chancen verwandeln lassen. Strategien zur Verringerung von Luftverschmutzung und Hitze verbessern nicht nur die öffentliche Gesundheit, sondern bringen auch messbare wirtschaftliche Vorteile.

Mit der fortschreitenden Urbanisierung nehmen die Belastungen für Gesundheit, Einkommen, Produktivität und Wirtschaftswachstum weiter zu. Dennoch entwickeln sich einige Städte zunehmend zu Modellregionen für praktische und kosteneffiziente Lösungen, die sich auch international übertragen lassen.

Thailands 15-jähriger SCP-Fahrplan setzt auf Abfallreduzierung, KMU und grünes Wachstum
Die thailändische Strategie konzentriert sich insbesondere auf die Verringerung von Lebensmittelverschwendung, die Integration von Environmental-, Social- und Governance-Prinzipien (ESG) in kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie auf die Förderung nachhaltiger Lebensweisen mithilfe der ECOLIFE-App.

Nach Angaben des Office of Natural Resources and Environmental Policy and Planning (ONEP) wurden in der ersten Phase des Programms von 2024 bis 2027 bereits spürbare Fortschritte erzielt – insbesondere in den Bereichen Industrie und Energie, die weiterhin zu den größten Verursachern von Treibhausgasemissionen zählen.

Bislang hat Thailand 18 Regionen zu sogenannten Öko-Industriegebieten entwickelt. Dadurch konnten bereits mehr als 4,5 Millionen Kubikmeter Wasser eingespart werden. Langfristig strebt das Land bis 2037 Einsparungen von insgesamt 27 Millionen Kubikmetern an.

Auch im Energiesektor wurden wesentliche Fortschritte erzielt: Die CO₂-Emissionen konnten um bis zu 9,3 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent reduziert werden. Dies gilt als wichtiger Fortschritt beim Übergang zu erneuerbaren Energien.

Darüber hinaus verzeichnet Thailand Fortschritte im Bereich der Abfallwirtschaft. 87 Prozent der Industrieabfälle werden inzwischen wiederverwertet, während 39 Prozent der kommunalen Abfälle recycelt oder erneut genutzt werden. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung der Kreislaufwirtschaft im Land.

Vier zentrale Handlungsfelder

Um die zweite und dritte Phase der Strategie erfolgreich umzusetzen, hat ONEP vier zentrale Prioritäten definiert: nachhaltige Ernährungssysteme, Kreislaufwirtschaft, ESG-Standards für KMU sowie nachhaltigen Tourismus.

Das nachhaltige Ernährungssystem soll eine sichere Lieferkette von der Produktion bis zum Endverbraucher gewährleisten. Die Kreislaufwirtschaft konzentriert sich auf eine effizientere Nutzung von Ressourcen und die Verringerung von Abfällen.

Mit ESG-Standards für KMU möchte Thailand insbesondere kleinere Unternehmen stärken, die als Rückgrat der Wirtschaft gelten, damit sie internationale Nachhaltigkeitsstandards besser erfüllen können.

Der nachhaltige Tourismus wird unter anderem in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gefördert. Ziel ist es, die Qualität des Tourismus zu verbessern, ohne natürliche Ökosysteme zu beeinträchtigen.

Zu den wichtigsten Initiativen gehört das Projekt „Stop Food Waste“. Daran beteiligen sich 15 Partnerorganisationen sowie große Einkaufszentren wie Siam Piwat, Central, The Mall und Seacon, um Lebensmittelverschwendung in Einkaufszentren zu reduzieren.

Ein weiteres Leuchtturmprojekt ist die ECOLIFE-App. Sie soll insbesondere junge Menschen und die breite Öffentlichkeit zu nachhaltigeren Lebensweisen motivieren, etwa durch Kampagnen wie „Sustainable Eating“.

Darüber hinaus entwickelt ONEP eine spezielle Nachhaltigkeitsplattform für KMU. Diese soll thailändischen Unternehmen dabei helfen, ihre Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märkten zu stärken, auf denen Nachhaltigkeitsstandards zunehmend wichtiger werden.

Drei Strategien für die nächste Phase

Für die nächste Phase der Strategie setzt ONEP auf drei zentrale Ansätze: eine bessere Datenintegration zur messbaren Erfolgskontrolle, eine stärkere Zusammenarbeit auf lokaler Ebene sowie die stärkere Verankerung von Nachhaltigkeit in der allgemeinen Wirtschaftspolitik.

ONEP betonte zudem seine Rolle als koordinierende Plattform zwischen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Nachhaltigkeit dürfe nicht als Belastung einzelner Sektoren verstanden werden, sondern als gemeinsame Chance für eine sichere und stabile Zukunft Thailands.

„Diese Ziele können nicht von einer einzelnen Behörde allein erreicht werden. Alle müssen gemeinsam in dieselbe Richtung gehen“, erklärte Kanda Chookaew, stellvertretende Generalsekretärin von ONEP.

Internationale Beispiele für Klimaresilienz

Vier internationale Fallstudien zeigen, dass Investitionen in Klimaresilienz bereits mit vergleichsweise geringen Kosten erhebliche Vorteile bringen können.

In London führten Umweltzonen für emissionsarme Fahrzeuge zu einer deutlichen Verringerung der Luftverschmutzung, reduzierten Krankenhausaufenthalte und brachten jährliche gesundheitliche sowie wirtschaftliche Vorteile von mehr als 49 Millionen US-Dollar.

Das Programm „Green City, Clean Waters“ in Philadelphia verarbeitet jährlich rund drei Milliarden Gallonen Regenwasser, senkt die Temperaturen in der Stadt, reduziert Umweltverschmutzung und steigert gleichzeitig die Immobilienwerte.

Ahmedabad in Indien konnte durch seinen kostengünstigen Hitzeaktionsplan die hitzebedingten Todesfälle um etwa 25 Prozent senken. Zu den Maßnahmen zählen reflektierende Dächer, Trinkwasserstellen, schattige Ruhebereiche sowie SMS-Warnsysteme.

In Medellín wiederum sorgten sogenannte „Green Corridors“ für niedrigere Temperaturen, bessere Luftqualität und weniger Atemwegserkrankungen – bei Investitionen von lediglich 16,3 Millionen US-Dollar.


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