Thailands Ranong-Hafen und Bangladeschs Chittagong-Hafen intensivieren ihre Zusammenarbeit im Rahmen von BIMSTEC und positionieren die Andamanensee als strategisches maritimes und logistikbezogenes Drehkreuz.
Die Bay of Bengal Initiative for Multi-Sectoral Technical and Economic Cooperation (BIMSTEC) zählt zu den engsten Kooperationsrahmen für Thailand – bedingt durch die geografische Nähe sowie die tief verwurzelten wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen, sprachlichen und religiösen Verbindungen zwischen den Mitgliedstaaten.
BIMSTEC repräsentiert einen Markt von rund 1,5 Milliarden Menschen mit einer kombinierten Wirtschaftsleistung von über 3,5 Billionen US-Dollar und gilt zugleich als dynamischer Wachstumsraum aufstrebender Volkswirtschaften.
Nach Angaben der Port Authority of Thailand entwickelt sich die Zusammenarbeit zwischen dem Ranong-Hafen und dem Chittagong-Hafen im Rahmen von BIMSTEC zu einer regionalen Logistikstrategie von wachsender strategischer Bedeutung.
Die Verknüpfung dieser beiden bedeutenden Häfen stärkt nicht nur das Handelspotenzial zwischen Südostasien und Südasien, sondern festigt zugleich die Rolle Thailands als maritimes Drehkreuz in der Andamanensee. Sie gilt als bedeutende Chance, den Handel voranzutreiben und die wirtschaftliche Vernetzung systematisch auszubauen.
Ranong-Hafen: Strategisches Tor Thailands zur Andamanensee
Der Ranong-Hafen befindet sich an einem strategisch günstigen Punkt an der Andamanensee. Er ist in der Lage, containerisierte Fracht nach internationalen Standards effizient abzuwickeln und den Warenverkehr direkt mit dem Indischen Ozean sowie der Bucht von Bengalen zu verbinden, ohne die Straße von Malakka passieren zu müssen – wodurch sich Transportdistanzen und Transitzeiten erheblich verkürzen.
Zur Stärkung seiner Rolle als Logistikzentrum hat die Port Authority of Thailand die Infrastrukturentwicklung beschleunigt. Dazu zählen die Beschaffung zusätzlicher Kräne und Umschlaggeräte sowie die Modernisierung von Lagerhäusern und Liegeplätzen.
Ziel dieser Maßnahmen ist es, den Hafen auf künftig steigende Frachtvolumina vorzubereiten und die Wettbewerbsfähigkeit Thailands in der Region weiter zu erhöhen.
Die neue Route zwischen Ranong und Chittagong wird voraussichtlich dazu beitragen, thailändische Produkte mit hohem Potenzial schneller auf den bangladeschischen Markt zu bringen. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen landwirtschaftliche Erzeugnisse und verarbeitete Lebensmittel – insbesondere Instantnudeln – sowie frisches und verarbeitetes Obst, Halal-Lebensmittel, Automobilteile, Maschinen und medizinische Dienstleistungen im Bereich des Gesundheitstourismus, in dem Thailand über technologische und kostenseitige Vorteile verfügt.
Die Entwicklung des Ranong-Hafens stellt somit einen entscheidenden Schritt dar, um Thailand als führendes maritimes Logistikzentrum in der Andamanensee zu etablieren.

Chittagong-Hafen: Motor der bangladeschischen Wirtschaft
Auf Seiten Bangladeschs ist der Chittagong-Hafen der größte Hafen des Landes und das zentrale Tor für den Außenhandel. Er liegt am Karnaphuli-Fluss und wickelt bis zu 90 % des internationalen Handels Bangladeschs ab.
Der Hafen fungiert als wesentliche Verbindung für bangladeschische Waren in südostasiatische Märkte. Dazu gehören Textilien und Bekleidung – Bangladesch ist der weltweit zweitgrößte Exporteur in diesem Sektor – sowie Lederwaren und Schuhe, Meeresfrüchte wie gefrorene Garnelen und Fisch, pharmazeutische Produkte und medizinische Güter sowie Metallschrott aus der Schiffsrecyclingindustrie, in der Bangladesch zu den global führenden Ländern zählt.
Die Anbindung an den Ranong-Hafen kann Transportzeiten und -kosten von bislang 7–15 Tagen auf nur 3–5 Tage reduzieren. Dadurch können Thailand und Bangladesch den Handel ausweiten, die Logistikeffizienz steigern und die Vernetzung der BIMSTEC-Mitgliedstaaten beschleunigen.
Insgesamt gilt die Kooperation zwischen dem Ranong-Hafen und dem Chittagong-Hafen als zentraler Treiber, um den thailändischen Handel systematisch in Richtung Indischer Ozean und in die BIMSTEC-Staaten auszubauen. Diese Partnerschaft gilt als „goldene Wachstumschance“, da sie Märkte erweitert, Kosten senkt, die globale Wettbewerbsfähigkeit stärkt und den Ranong-Hafen langfristig als Verbindungstor zwischen Südostasien und Südasien positioniert.
Warum BIMSTEC für Thailand von Bedeutung ist
BIMSTEC ist eine regionale Organisation mit sieben Mitgliedstaaten: Bangladesch, Bhutan, Indien, Myanmar, Nepal, Sri Lanka und Thailand.
Die Kooperationsbereiche wurden auf sieben zentrale Sektoren konsolidiert: Handel, Investitionen und Entwicklung; Landwirtschaft; Umwelt; Sicherheit; Wissenschaft und Technologie; zwischenmenschliche Kontakte sowie Konnektivität.
BIMSTEC wird als strategischer „westlicher Puffer“ Thailands betrachtet – zur Stärkung von Stabilität und Sicherheit sowie zur Verringerung der Anfälligkeit gegenüber externen geopolitischen Einflüssen.
Während ASEAN seit mehr als 57 Jahren als östlicher und südlicher Stabilitätspfeiler dient, würde eine stärkere politische und wirtschaftliche Stabilität der westlichen Nachbarn die Entwicklung Thailands unterstützen und zusätzliche Handels- und Investitionsmöglichkeiten eröffnen.
Zudem ermöglicht dies Thailand, seine geografische Lage gezielt zu nutzen, um Investitionen aus anderen Regionen anzuziehen und sich stärker in globale Lieferketten einzubinden, die auf die beiden größten Märkte Asiens – Indien und China – ausgerichtet sind. Dabei kann Thailand auf Erfahrungen aus Formaten wie ASEAN+1, ASEAN+3 und dem Rahmen der Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) aufbauen.
Vor diesem Hintergrund gilt BIMSTEC als wesentliches zusätzliches „Bindeglied“, das Thailands 2016 verkündete „Look West“-Politik unterstützt und den zunehmend bedeutenden indo-pazifischen Rahmen ergänzt.
Thailand kann hierbei eine Schlüsselrolle als Verbindungsglied sowohl über Land- als auch über Seewege einnehmen – ein strategischer Vorteil gegenüber Ländern, die nur eine dieser Verbindungen nutzen können.
